Die verlorenen Fotos

Ich war in Berlin. Das ist ja nun schon eine Weile her.
Damals machte ich natürlich auch einige Fotos, analog, mit der AE-1. Ich ließ die Filme entwickeln, hatte ein paar schöne Resultate. Einige Fotos waren jedoch komplett zerstört, da ich dort mit der AE-1 fotografierte, welche hin und wieder nicht ganz Lichtdicht war. Einige Fotos konnte ich noch gerade identifizieren, andere waren für immer unkenntlich. Vor allem deswegen sehr schade, weil ich das ein oder andere Foto machte, von dem ich schon im Vorfeld wusste, dass es gut war. Diese fehlten mir.

Damit muss man sich dann erstmal abfinden. Es ist irgendwie gefühlt schlimmer als all jene Momente, in denen man sich sehnlichst die Kamera in die Hand wünscht, welche dann aber doch zu Hause auf einen wartet. Schlimmer. Einfach, weil man die Fotos eben gemacht hat. Man hatte den Moment, man machte das Foto, alles ist gut, man freut sich wahnsinnig und dann fehlt es.

Der Grund warum ich das hier jetzt aber erzähle ist ein etwas anderer:
Ich schraubte vor kurzem an ein paar Kameras herum, die ich für ein Projekt bekommen habe (welches übrigens momentan erstmal pausiert wurde).
Da ich, wie im Beitrag erwähnt, dafür ein M42-Bajonett verwenden wollte, baute ich dies kurzerhand aus einer von mir nicht mehr benutzten Revueflex 1001s aus. So unbedacht wie ich nunmal bin öffnete ich in Folge dessen auch den Gehäusedeckel. Ich hörte ein Geräusch. Etwas zog sich zusammen. In dem Moment schoss mir alles durch den Kopf.
Ich hatte damals in Berlin meine Revue mit dabei. Ich hatte dort einen Film eingelegt und bei guten Motiven mit ihr zur Absicherung fotografiert, da man bei der AE-1 ja nie wissen konnte, ob man nun ein Foto hat, oder eben nicht. Ein zischen eines sich entspannenden Films später realisierte ich die bittere Wahrheit: Die eigentlich verlorenen Fotos waren gar nicht verloren, sondern die ganze Zeit da, doch hatte ich sie nun durch meine Unachtsamkeit komplett zerstört. Bitter. Ein zweites mal spürte ich die Enttäuschung über den Verlust dieser guten Fotos. Ein zweites mal wurde mir bewusst, dass ich diese Fotos niemals jemanden werde zeigen können. Alles dem Resultat von Unachtsamkeit und einem schlechten Erinnerungsvermögen zu verdanken.
So schön die Analoge Fotografie ist, so viel Spaß sie macht, manchmal ist sie einfach grausam kompromisslos.

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